Klangexperimente im collectif


Bei seiner neusten Produktion "Timeplay" arbeitet das „collectif DADOFONIC“ an einer inszenierten Straßenshow mit Musik, Tanz und Schauspiel. Dabei wird der Produktionsprozess vom belgischen Musiker und Instrumentenbauer Max Vandervorst begleitet. Er hat sich darauf spezialisiert, Instrumente aus einfachen Materialien selber zu entwerfen und zu bauen. Zusammen mit ihm haben die Künstler ihre eigenen Instrumente gebaut, um sie in eigens für das Projekt "Timeplay" arrangierten Stücken zu verwenden.

Als derzeitiger europäischer Freiwilliger beim "collectif DADOFONIC" habe die Möglichkeit ergriffen, Aufnahmen mit den Künstlern und dem enormen Klangpotenzial ihrer Instrumente zu machen. Um diesen verschiedenen Klängen einen Rahmen zu geben, habe ich mich entschieden, die für das Projekt "Timeplay" mit den Künstlern einstudierte Arie " L'amour est un oiseau rebelle " aus der Oper Carmen von Georges Bizet als strukturierende Grundlage zu verwenden. Ziel der Aufnahme war es also, die unterschiedlichen Klänge ihrem natürlichen Klang entsprechend aufzunehmen und in einem dazu passenden Rahmen aufnahmetechnisch und musikalisch zu arrangieren. Dabei wurden, ohne den Charme der Einfachheit und Primitivität der selbstgebauten Instrumente zu verlieren, auch professionell gefertigte Instrumente und Gesang aufgenommen.

Grundlage des Arrangements bilden drei Instrumente, die in der "Timeplay" Produktion Teil einer "Marching Band" sein sollen. Die gespielten Rhythmen der einzelnen Instrumente sind daher sehr einfach gehalten, da sie im Stehen oder Laufen gespielt werden müssen. Die rhythmische Basis bildet zunächst eine, komplett aus gewelltem Karton gebaute große Trommel. Sie setzt die Aktzenten auf eins und vier im Takt und wird am besten mit einem, an einem Stock befestigten Tennisball geschlagen (Ab 01:05 Minuten).

Über den Puls der Papptrommel legt sich eine Art Bass-Begleitung in Form einer Umhängekonstruktion mit zweierlei Rohren, die mit einem Schlag auf eine der Öffnungen zum Klingen gebracht werden können. Die Rohre sind auf a und e' gestimmt und legen damit die Grundtonart des Arrangements fest. Der Klang des Instrumentes ist sehr intensiv und präzise. Gespielt wird der markante, synkopische Habanera-Rhythmus mit beiden Händen abwechselnd auf jedem Rohr (Ab 01:05 Minuten). Dazu kommt schließlich eine aus mit Kronkorken gefertigte Fußschelle, die den Akzent auf die Drei im Takt setzt. Diese Fußschelle wurde in der Aufnahme durch eine Vielzahl anderer Rasseln und ähnlichem ergänzt, um einen volleren Klang zu erreichen (Ab 00:30 Minuten).

Neben diesen für die Produktion vorgesehenen Perkussionsinstrumenten sind in der Aufnahme außerdem eine leere, metallische Trinkwasserflasche (Ab 00:50 Minuten) und ein mit Folie bespannter Tennisschläger (Ab 00:58 Minuten) zu hören, die beide mit einem Schlägel aus altem Weinkorken angeschlagen werden. Sie komplementieren den Grundrhythmus durch passende rhythmische Akzente und erweitern zusätzlich das Klangspektrum.

Doch bevor die gerade beschriebenen Instrumente gemeinsam hörbar sind, beginnt die Aufnahme mit einer Klangcollage aus unterschiedlichen Geräuschen und Soundeffekten. Zu hören sind beispielsweise selbstgebaute Rasseln mit befestigten Kronkorken, oder entsprechend verarbeitete Plastikflaschen (Siehe Bild links). Außerdem erklingt ein sogenannter "Élastirhombe" der an einer Schnur befestigt und zum Drehen gebracht, propellerartige Geräusche produziert (Ebenfalls im Bild links) (Ab 00:40 Minuten). Die gongartigen Akzente ab 00:20 Minuten stammen von mit Halterungen versehenen Serviertellern in unterschiedlichen Größen und Formen. Ab 00:22 Minuten fügen sich metallisch, klingende Monochords, (siehe Bild rechts) orientalischen Charakters in die Klangcollage ein. Zweck dieser experimentellen Einleitung war es, die enorme Vielfalt der ungewöhnlichen Klänge dieser Effektinstrumente einzufangen und den Hörer auf die Ästhetik einfacher, selbstgebauter Instrumente einzustimmen.

Ab 00:36 Minuten beginnen mit dem Einsatz der Gesangsstimme die Strophen der Habanera-Arie und damit der strukturiertere Teil der Aufnahme. Dafür hatte ich die Möglichkeit, einen professionellen Opernsänger aufzunehmen, der zuvor schon mit den Künstlern des" collectif DADOFONIC" gearbeitet hat. Durch die Gegenüberstellung zwischen der von einer ausgebildeten Bassstimme gesungenen weltbekannten Opernmelodie und der ungewohnten, eher primitiven Instrumentalbegleitung entsteht ein kontrastreiches aber durchaus interessantes Zusammenspiel von klassischen und experimentelle Klängen. Der Gesang wird im Refrain (01:18 Minute) dann zusätzlich von einer aufgenommen Ukulele begleitet, die das sonst eher perkussionsorientierte Klangspektrum der selbstgemachten Instrumente um eine instrumentale Melodiestimme erweitert. Außerdem erklingt ab 01:35 Minuten zum ersten mal ein Chor, der gemeinsam von allen Künstlern des "collectifs" gesungen wurde. Für die Chorstimme wurde der Originaltext der Arie abgeändert um den Künstlern einen besseren Zugang zu der gesungenen Melodie zu ermöglichen. Der neue Text besteht aus Wörtern die von der Künstlergruppe allgemein mit dem Thema Liebe assoziiert werden. Dabei entsteht ein Sprachenmix aus Französisch, Luxemburgisch und erfundenen Wörtern, den man im "collectif" gerne als "Dadofonisch" bezeichnet.

#erasmus #Timeplay #Spectacles

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